Auf unsere Reise nach Malta waren wir schon im Vorfeld sehr gespannt. Zwar liegt die Inselgruppe nicht unbedingt in entferntesten Weiten, ist als Urlaubsziel aber dennoch eher exotisch. Was man im Voraus über Malta erfahren konnte, machte uns durchaus neugierig - immerhin kann das Land auf eine mehr als sechs tausendjährige Geschichte zurück blicken, und eine sehr abwechslungsreiche noch dazu. Mit entsprechend hohen Erwartungen machten wir uns also auf den Weg.
Der Flug von Berlin Tegel bis in die maltesische Hauptstadt Valletta nimmt weniger als 3 Stunden in Anspruch. Malta liegt sehr weit südlich in Europa - südlicher zumindest als zum Beispiel Italien. Entsprechend hoch waren die Temperaturen, die uns empfingen als wir ankamen. Nicht umsonst empfehlen die meisten einschlägigen Bücher Reisen nach Malta nur für den Frühling oder den Herbst. Im Sommer klettern die Temperaturen leicht auf über 40 Grad und selbst im September, dem Zeitpunkt unserer Reise, ist das ganze Land noch bei weitem zu karg und ausgetrocknet, um mit landschaftlichen Reizen locken zu können.
Hinzu kommt, dass Maltas Städte sehr eng bebaut sind. Malta besitzt die dritt höchste Bevölkerungsdichte der Welt. 1.218 Menschen tummeln sich hier, statistisch gesehen, auf jedem Quadratkilometer - in Deutschland sind es gerade einmal 233. Entsprechend wenig Platz bleibt innerhalb der Städte für freien Raum oder gar Grünflächen. Wer Steinen so rein gar nichts abgewinnen kann, ist auf Malta am falschen Ort, zumindest im heißen Sommer.
Trotz des wenigen Grüns haben die maltesischen Städte etwas sehr Angenehmes. Als Baumaterial wird hauptsächlich einheimischer Kalkstein verwendet, der eine typische gelbliche Farbe besitzt - grauen Beton sieht man selten. Entsprechend stimmig und urwüchsig erscheinen die meist engen Straßen und Gässchen. Wenn man Valletta oder Sliema zu Fuß durchwandert, was sich übrigens innerhalb eines Tages ohne Mühe bewerkstelligen läßt, mag man kaum glauben, dass beide Städte während des Zweiten Weltkrieges nahezu vollständig zerstört wurden. Viele der wunderschönen Häuser erwecken den Eindruck, schon mindestens einige hundert Jahre auf dem krummen Buckel zu haben.
Die beiden interessantesten Städte Maltas - Sliema und Valletta - liegen als Halbinseln auf der nordöstlichen Seite des Landes. Unser Hotel, das sehr stilvoll im englischen Stil eingerichtete »Victoria«, befindet sich auf Sliema, der ruhigeren der beiden Schwesterstädte. Allerdings lässt sich die quirligere Nachbarin Valletta jederzeit sehr bequem und schnell per Bus oder mit der Fähre erreichen. Sliema und Valletta ergänzen sich perfekt: tagsüber lässt es sich in Valletta sehr schön bummeln und einkaufen, während man am Abend die relative Ruhe von Sliema genießen kann.
Sliema selbst ist eine recht kleine Halbinsel, die über eine schmale Verbindung zu Valletta verfügt. Ansonsten ist die Stadt von einem nahezu durchgängigen Steinstand umgeben, der den Eindruck macht, als hätte hier jemand Unmengen Beton ins Meer gegossen. Die dunkle, steinerne Oberfläche des Strandes ist vom Meer weich abgeschliffen und verfügt über zahllose Auswaschungen und Löcher. Dennoch eignet er sich gut für ein Bad im Meer oder für ein abendlichen Grillfest, was viele Einheimische ausgiebig nutzen. Den Übergang vom Strand zur Stadt bildet eine schöne Strandpromenade mit vielen kleinen Buden und Kiosken, an denen man Getränke, Eis oder einen kleinen Snack bekommen kann. Auf der Strandpromenade lässt sich Sliema fast vollständig umrunden, was bei gemütlichem Schritt nicht mehr als 2 bis 3 Stunden in Anspruch nimmt – abends wird sie von vielen Laternen stimmungsvoll beleuchtet. Die Innenstadt von Sliema beeindruckt vor allem durch
Auf Valletta befindet sich der zentrale Busbahnhof - von hier aus lassen sich alle Gegenden des Landes problemlos erreichen. Aufgrund der geringen Größe Maltas dauert die längste Busfahrt übrigens nur eine knappe dreiviertel Stunde und lohnt sich in jedem Fall – schon allein wegen der Busse.
|
Video: Unterwegs in Valletta |
|
| |
Die Busse auf Malta sind echte Attraktionen! Hier knattern noch uralte englische Bedford- und Leyland-Vehikel, viele noch aus den 50er, 60er und 70er Jahren, durch die Straßen – eine Reminiszenz an die Zeiten der britischen Besatzung. Anders als in vielen Entwicklungsländern nutzen die Malteser ihre alten Busse allerdings nicht deshalb, weil sie sich keine neuen leisten könnten, sondern vielmehr aus einem eher seltsamen Traditionsbewusstsein heraus. Dem entsprechend handelt es sich bei den Gefährten auch nicht um Rostlauben – sie alle sind sehr gut gepflegt und optisch ausgezeichnet in Schuss! Bus-Oldtimer im Miniaturformat kann sich der Besucher sogar als Souvenir mit nach Hause nehmen.
Die Fahrt in einem dieser uralten Vehikel ist ein absolutes Erlebnis - eine Reise in die Vergangenheit, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Der Preis für eine normale Fahrt beträgt 20 Cent – für eine längere Strecke werden maximal 50 Cent fällig. Hat man eine solche in einem der älteren Busmodelle hinter sich gebracht, wünscht man sich auch schnell wieder einen modernen Linienbus unter den malträtierten Hintern! Neben seinen einmaligen Bussen und den überaus günstigen Preisen lässt der maltesische Nahverkehr jedoch auch einiges zu wünschen übrig. So ist es in vielen Ländern der Welt keine Seltenheit, dass der an den Haltestellen aushängende Busfahrplan eher als grobe Richtlinie denn als feststehender Zeitplan anzusehen ist. In Malta hat man dieses Problem geschickt dadurch umgangen, dass erst gar keine Fahrpläne ausgehängt werden. So geben die Bushaltestellen lediglich darüber Auskunft, welche Linien an ihnen verkehren. Wohin und vor allem wann sie fahren, das sagt dem Besucher allein die Erfahrung – oder aber ein freundlicher Leidensgenosse. Auch hier zeigt sich die geradezu überschäumende Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Malteser. Den Touristen sehen sie einem schon an der Nasenspitze an und erkennen auf den ersten Blick, wenn man sich hoffnungslos im engen Straßengewirr verlaufen hat.
Valletta bietet auf kleinstem Raum eine Menge für den staunenden Touristen. Das beginnt schon bei den wunderschönen, ebenso engen wie steilen Straßen, die, vom Meer kommend, die Hauptstadt in ihrer gesamten Breite durchschneiden, um auf ihrer anderen Seite wieder am Meer zu enden. Dazwischen gibt es jede Menge hölzerner Erker, Läden und Cafés, sowie große Teile noch erhaltener Festungsmauern, die beredtes Zeugnis sprechen von Maltas ritterlicher Vergangenheit. So klein Valletta auch sein mag: es zählt mit Sicherheit zu den schönsten Hauptstädten Europas und atmet gewissermaßen Geschichte. Das hat auch die UNESCO erkannt und die Stadt zum Weltkulturerbe erhoben.
Vallettas Hauptstraße, die »Republic Street«, schlängelt sich schnurgerade an Vallettas Kamm entlang. Hier finden sich, neben vielen bekannten Geschäften, fahnengeschmückten Fassaden, Restaurants und größeren Cafés auch Vallettas Hauptattraktionen, aufgereiht wie auf einer Perlenkette. Zu ihnen zählt, neben dem Busbahnhof, vor allem das Archäologische Museum, das zum Zeitpunkt unseres Besuches leider teilweise geschlossen war, so dass nur ein sehr kleiner Teil des Museums besucht werden konnte.
Nur wenige Schritte weiter erwartet den Besucher bereits die nächste Sehenswürdigkeit: Saint Johns Co-Cathedral. Die Kathedrale wurde bereits 1577 fertiggestellt und kann auf eine wahrhaft glanzvolle Geschichte zurückblicken. Die Saint Johns Co-Cathedral ist der größte Sakralbau Maltas. Der Name »Co-Cathedral« weist auf den Umstand hin, dass diese Kathedrale nicht die einzige ist, die dem heiligen Johannes geweiht wurde, sondern sich diesbezüglich mit Platz zwei begnügen muss. In Auftrag gegeben wurde die Saint Johns Co-Cathedral vom Großmeister Jean de la Cassière als Ordenskirche der Ritter des Hospitalerordens. Entworfen wurde sie vom maltesischen Architekten Gerolamo Cassar, der auch für viele andere bekannte Gebäude Maltas verantwortlich zeichnet.
Bemessen an der dreitausend-jährigen Geschichte Maltas ist die Hauptstadt des Inselreichs sehr jung. Sie wurde erst 1565 erbaut, nach dem Sieg über die Türken – einem Ereignis, das den Maltesern als »The Great Siege« noch heute gut im Gedächtnis ist! Ihren Namen verdankt Valletta dem Franzosen Jean de la Valette, der von 1494 bis 1568 lebte und als neunundvierzigster Großmeister dem Malteserorden vorstand.
Mitten in Valletta steht der größte Profanbau der Hauptstadt, der Grand Master's Palace, ein Palast der Großmeister des Ordens. Seine zweigeschossige Fassade repräsentiert mit ihrer Strenge noch den Stil des 16. Jahrhunderts. Die hölzernen Erker und Ecken sind jünger, die Barockportale wurden erst im 18. Jahrhundert angefügt. Der Palast war während der britischen Herrschaft Sitz der Gouverneure und dient heute als Tagungsort des maltesischen Parlaments sowie als offizieller Amtssitz des maltesischen Staatspräsidenten. Beizeiten können einige Räume des Hauses besichtigt werden, auch wenn nicht immer im Vornherein feststeht, welche. Sehenswert sind vor allem die Waffenkammer, die viele Originalwaffen und Rüstungsteile enthält, sowie die prunkvollen Säle, die einen Blick in die Vergangenheit erlauben.
Wer sich einen tieferen Einblick in die Geschichte Maltas verschaffen möchte, wird in der Multimediashow »Malta Experience« fündig. Hier kann man sich - unterhaltsam und in seiner Landessprache - über die gesamte Geschichte des Landes von der Steinzeit bis zum heutigen Tag informieren lassen. Das Ganze ist spannend gestaltet, wenn auch etwas lückenhaft. Dafür ist es gelungen, mehr als 6.000 Jahre auf eine dreiviertel Stunde zu komprimieren.
Einen geschichtlichen Einblick der ganz anderen Art bieten Maltas Straßen. Wer sich für Oldtimer, vor allem aus den 70er und 80er Jahren interessiert, wird hier so manches Kleinod entdecken, dass von deutschen Straßen schon lange verschwunden ist. Neben alten japanischen Klassikern finden sich hier auch alte, teilweise gut erhaltene Modelle von Fiat, Skoda, Lada und anderen Herstellern.
Maltas Geschichte lässt sich in eine Abfolge von Belagerungen unterteilen. Nach dem Phöniziern kamen die Karthager, danach die Römer, die Araber, die Normannen, die Ritter des Johanniterordens, dann Napoleons französische Armee, gefolgt von den Engländern. Im Prinzip stand Malta von 550 vor Christus bis 1974 unserer Zeit unter fremder Herrschaft - und jeder hat seine eigenen Spuren hinterlassen. Eine typisch maltesische Kultur gibt es deshalb im Prinzip nicht, alles ist ein Sammelsurium unterschiedlichster Traditionen, von denen nicht alle unbedingt erfreulich sind.
Ähnlich wie die Spanier pflegen auch die Malteser eine seltsame Freude am Töten als Teil ihrer Freizeitgestaltung, wenngleich sich dieses Hobby zum größten Teil auf die ältere Bevölkerung beschränkt. Allerdings besteht das Ziel dieser morbiden Freizeitgestaltung hier nicht aus Stieren, sondern aus Vögeln, die viele Malteser fangen und töten - gänzlich ohne Sinn und Zweck.
Auch in einem anderen Bereich ist Malta mit vielen weit rückständigeren Staaten vergleichbar: Fast 98 Prozent der Malteser sind streng katholisch. Die Katholische Kirche hat auch auf die Gesetzgebung und die Politik in Malta einen starken Einfluss. So sind Scheidungen gesetzlich verboten - und Paare, die ohne Trauschein zusammenleben, sind natürlich vom Sakrament der Kirche ausgeschlossen. Gottesdienste werden auf Malta sehr ernst genommen: Jeden Sonntag werden Statuen der Jungfrau Maria durch die Straßen getragen, gefolgt von einem ergeben vor sich hin murmelnden Tross von Gläubigen.
Die Nationalsprache der Malteser nennt sich »Malti« und ist eine Mischung aus Arabisch, Italienisch und Englisch – deutlicher Beleg für Maltas wechselvolle Geschichte. »Malti« ist eine sehr klangvolle Sprache, die man leider so gut wie gar nicht versteht, auch wenn man des Englischen mächtig ist. Darin unterscheidet sie sich etwa vom Französischen oder der italienischen Sprache, die zumindest hilfreiche Assoziationen zulassen. Glücklicherweise haben wir die Erfahrung gemacht, dass – zumindest in den größeren und touristisch erschlossenen Gebieten – fast alle Einwohner Englisch sprechen, so dass man auch ohne »Malti«-Kenntnisse gut zurecht kommt.
Die Malteser pflegen ähnlich ungewohnte kulinarische Gewohnheiten wie die Engländer – kommen dabei allerdings gänzlich ohne Pfefferminzsauce aus. Zu den traditionellen Gerichten des Landes zählt vor allem das Kaninchen – ein Umstand, der den kleinen Rackern im Malta zu echtem Seltenheitswert verholfen hat. Am liebsten werden sie in Weißwein mariniert und gekocht verspeist, was man unbedingt probieren sollte. Wer es lieber mit dem Geflügel hält, bekommt mit dem Barbeque-Chicken und gepfeffertem Ziegenkäse Gelegenheit zum Einblick in die maltesische Kochkunst. Daneben sind allerdings auch »normale« Gerichte, wie Pasta oder Pizza zu haben.
Die Währung der Malteser ist die »Maltesische Lira«, die die Einheimischen selbst jedoch hartnäckig als »Pfund« bezeichnen. Die Maltesische Lira (MTL) hat einen Wechselkurs von 2,32 gegenüber dem Euro – für 1 Euro erhält man also 0,43 MTL. Der Umtausch in die Landeswährung ist jedoch nicht unbedingt erforderlich, denn viele Geschäfte akzeptieren auch Euro und US-Dollar. Allein für den öffentlichen Nahverkehr sollte man besser ein paar MTL-Münzen parat haben. Den Umtausch kann man in einem der vielen Exchange Offices erledigen – oder das Geld einfach mit der EC-Karte aus dem Automaten ziehen.
Wer sich für die stein- und bronzezeitliche Geschichte interessiert, der wird in Malta an vielen Stellen fündig. So etwa bei den steinzeitlichen, monolithischen Tempeln, die man gleich an mehreren Orten bestaunen kann und die etwas an Stongehenge erinnern. Während unseres Aufenthaltes haben wir den Tempel von Tarxien besucht, der Ende des 19. Jahrhunderts ausgegraben wurde und noch in vielen Teilen gut erhalten ist. Offenbar hat Malta es dem zumeist sehr trockenen Wetter zu verdanken, dass die mehrere Tausend Jahre alten Sandstein-Monolithen bis heute nicht zerfallen sind. Die beeindruckende Tempelanlage wurde aufwendig rekonstruiert und bietet dem Besucher einen schönen Einblick in den steinzeitlichen Naturglauben.
Ein weiteres geschichtliches Highlight haben die frühen Christen auf Malta hinterlassen: die Katakomben. Die eindrucksvollsten Vertreter dieser unterirdischen Bauten befinden sich in dem kleinen Städtchen Rabat und sind nicht nur erstaunlich gut erhalten, sondern können von den Besuchern sogar auf eigene Faust erkundet werden. Zwar sind auch hier nur kleine Teile der Katakomben frei zugänglich, aber schmale, dunkle Gänge, spärlich gesetzte Lichtpunkte und eine beeindruckende Vielfalt von Gräbern verschaffen dem Besucher ein überaus plastisches Erlebnis. Geführt wird man im Übrigen von einem praktischen »Audio Guide« in der jeweiligen Landessprache. Die Erklärungen sind sehr detailliert, unterhaltsam und von zeitgenössischer Musik und passenden Geräuschen untermalt.
Neben den Katakomben beherbergt Rabat noch ein weiteres Kleinod: Mdina, die »stille Stadt«. Das wirklich winzige Städtchen war eine der früheren Hauptstädte des Landes und beherbergt heute ganze 300 Einwohner, was einen guten Eindruck von seiner Größe vermittelt. Auch die Geschichte Mdinas lässt sich bis in die Bronzezeit zurückverfolgen, wenngleich die anschaulichsten Bauten der Stadt, wie etwa die komplett erhaltene Wehrmauer, aus weit späteren Zeiten, nämlich dem 12. Jahrhundert, stammen. In Mdina scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Das wunderschöne Städtchen, das sich zu Fuß mit Leichtigkeit in wenigen Stunden komplett erkunden lässt, wartet mit engen Gassen auf, die so manche kleine Überraschung bereithalten. Die Bauten stammen allesamt aus der Zeit zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert und sind, wie so ziemlich alles in Malta, aus dem typischen gelblichen Kalkstein errichtet. Besonders sehenswert ist die Peter-und-Paul Kathedrale, die im Jahr 1702 fertiggestellt wurde. Ein Ausflug nach Mdina läßt sich wunderbar in einem der wenigen kleinen Restaurants beschließen. Wer länger bleiben möchte, muss versuchen, im einzigen Hotel der Stadt ein Zimmer zu ergattern.
Wer nach Ausflügen in Malta auch abends noch nicht müde ist, der kann sich in San Julien und Paceville in ein ausgiebiges Nachtleben stürzen. Die beiden Orte scheinen allein zum Zweck der Unterhaltung errichtet worden zu sein – hier gibt es unzählige Einkaufsmöglichkeiten, eine riesige Shopping Mall, zahllose Cafés, Bars, Spielcasinos und Diskotheken. Praktisch ist dabei, dass das ganze Geschehen auf einem Areal vonstatten geht, dass man zu Fuß in weniger als einer Stunde durchstreifen kann – perfekt für »Bar Hopper« oder einen spontanen Wechsel der Location. In den vielen Restaurants wird ein hervorragendes Essen serviert, das auch typisch maltesische Kost beinhaltet – wie etwa mit Honig bestrichene, gegrillte Rippchen.
Ein wenig ortskundig sollte man allerdings sein, denn da, wie bereits erwähnt, die Bushaltestellen keinerlei Auskunft über die Route geben, ist es nicht so einfach, von Sliema oder Valletta aus nach San Julien zu gelangen – und von der Endhaltestelle sind es noch einige Meter, die es aufgrund der recht verwinkelten Straßen in sich haben. Auf dem Rückweg von San Julien nach Sliema haben wir uns gründlich verlaufen und die richtige Haltestelle erst nach einigem intensiven Suchen wiederentdeckt. Eine Karte ist hier auf jeden Fall ein Muss.
In San Julien und Paceville haben sich zahlreiche Anbieter von Sprachreisen niedergelassen, so dass die Straßen, besonders im Juli und im August von jugendlichen Nachtschwärmern nur so wimmeln.
Bereits am dritten Tag unseres Malta-Aufenthaltes begann Alex unter einer intensiven Sonnenallergie zu leiden – die zeigte sich zunächst mit kleinen, juckenden Bläschen auf den Handrücken, dann auf den Armen, im Nacken und den Beinen. Malta liegt, von Deutschland aus gesehen, sehr weit südlich und hat im Sommer eine sehr intensive Sonneneinstrahlung mit Temperaturen jenseits der 35 Grad-Marke. Besonders für längere Ausflüge ist deshalb ein starker Sonnenschutz unbedingt empfehlswert, wie wir an eigenem Leib erfahren durften. In unserem jugendlichen Leichtsinn haben wir geflissentlich darauf verzichtet, was uns einige Unannehmlichkeiten einbrachte.
Alex' Sonnenallergie musste schließlich ärztlich behandelt werden – besonders deswegen, weil sie sich mit zunehmendem Juckreiz bemerkbar machte. Glücklicherweise befand sich gleich in der Nachbarschaft unseres Hotels das »Saint James Hospital«. Gelegenheit nicht nur für eine ärztliche Begutachtung, sondern auch für einen Einblick in die örtliche Gesundheitsversorgung. Dabei muss allerdings gesagt werden, dass das »Saint James« als Privatklinik sicher nicht repräsentativ für alle maltesischen Krankenhäuser steht. Wer während seines Malta-Urlaubes unter einem Wehwehchen leidet, ist hier jedoch bestens aufgehoben! Die gesamte Ausstattung ist erstklassig und das Krankenhaus verfügt über fließend deutschsprachige Ärzte, was Erklärungen natürlich ungemein vereinfacht. Trotzdem es sich beim »Saint James« um eine Privatklinik handelt, ist die Beratung recht günstig: die Untersuchung, samt Erklärungen und »Rezept« für die Apotheke kostete nur ganze 8 Euro – weniger als die in Deutschland fällige Praxisgebühr. Wer es nicht bis zum Krankenhaus schafft, der kann sich einen Arzt auch auf's Hotelzimmer kosten lassen, was dann jedoch mit 20 bis 30 Euro zu Buche schlägt.
Im Falle von Alex' Sonnenallergie sollte eine Cortison-Salbe Linderung verschaffen – was sie jedoch nur halbherzig tat. Schlussendlich hielten die unangenehmen Rötungen noch bis zwei Wochen nach unserer Rückkehr nach Berlin stand und trieben sowohl Alex als auch mich fast in den Wahnsinn. Noch einmal vergessen wir die Sonnencreme jedenfalls nicht, das ist mal sicher.
Das »Victoria« Hotel mitten im kleinen Herzen von Sliema war für unseren Urlaub in jedem Fall eine exzellente Wahl. Das Haus versprüht einen typisch britisch-kolonialen Charme und ist von der Lobby bis in die einzelnen Zimmer sehr geschmackvoll ausgestattet. Das Hotel verfügt über einen Pool mit ausgedehnter »Liegewiese« direkt auf dem Dach – von hier aus hat man einen guten Ausblick auf Sliema und Valletta und kann zwischen den Häuserdächern sogar einen Blick auf's offene Meer erhaschen. Das »Victoria« bietet ein ausgezeichnetes Frühstücksbuffet, dass sich mit seinen herzhaften Angeboten allerdings eher am britischen denn am deutschen Gaumen orientiert. Lecker war es jedoch allemal. Außerdem gibt es ein kleines Büro, dass man für 5 ML pro Stunde anmieten kann – einschließlich einem etwas in die Jahre gekommenen Computer mit Internetzugang. Wahlweise kann man sich auch den Internetzugang per WLAN auf dem Zimmer freischalten lassen, was mit 5 ML pro Tag zu Buche schlägt. Wer auch im Urlaub des Öfteren seine E-Mails abrufen oder Informationen im Internet recherchieren möchte, sollte diesen Service aber unbedingt in Anspruch nehmen, denn anders als in Paris oder Rom sind die Roaming-Gebühren in Malta nicht von schlechten Eltern. Nach nur einer Woche in Malta schlugen sich unsere gelegentlichen Ausflüge ins Netz mit sage und schreibe 90 Euro auf der Handy-Rechnung nieder.
Das »Victoria« verfügt neben seinem guten Restaurant auch über eine sehr gemütliche Bar – das Reich von »Mr. Excellent«, wie wir den Barkeeper naheliegenderweise getauft hatten. Mit seinem typischen »excellent!« quittierte der freundliche Mann jede Bestellung – es muss eines der am häufigsten verwendeten Worte in seinem gesamten Vokabular gewesen sein. Die Bar des »Victoria« war für einen Tag unsere einzige Abwechslung vom Hotelzimmer, da Alex tagsüber unmöglich in die Sonne gehen konnte. Gemütliche Sessel und ein wirklich angenehmes Ambiente entschädigten uns dafür allerdings ebenso wie die gelegentlichen Gesangseinlagen des Barkeepers. Und auch die Preise erwiesen sich als sehr zivil. Ein üppiges »Cesar's Sandwich« mit Salat war bereits für 2,50 ML zu haben, ein guter Whiskey bereits für 1,10 LM (umgerechnet etwa 2,70 Euro) – ein Angebot mit dem so gut wie keine mir bekannte Bar in Berlin aufwarten kann.
Unser Aufenthalt in Malta dauerte nur knapp 6 Tage – eigentlich genug, um das kleine Inselreich zu erkunden, wären wir nicht für mehr als einen Tag gewissermaßen an unser Hotelzimmer gefesselt gewesen. Malta haben wir als ein sehr entspanntes, aber dennoch interessantes Urlaubsziel empfunden – wenngleich man für einen Besuch wahrscheinlich doch eher den Frühling hätte wählen sollen. Die Landschaft und ihre Vegetation verändert sich im Laufe des Jahres schon recht deutlich, so dass wir mit einer verhältnismäßig kargen Umgebung Vorlieb nehmen mussten. Trotzdem wären wir gern noch etwas länger geblieben, um das Flair dieser kleinen Inselgruppe zu genießen.
|