Unsere Reise nach Paris begann wenig erfreulich - und das lag an der Zeit. Bereits um fünf Uhr Morgens mussten wir aus den Federn, um unseren Flieger zu bekommen - der sollte um acht Uhr vierzig vom Flughafen Schönefeld starten. Noch halb verschlafen und kaum in der Stimmung für Abenteuer kamen wir am Flughafen an, auf dem glücklicherweise alles in zügiger Ruhe vonstatten ging. Keine Stunde später saßen wir bereits im Flugzeug und waren knapp 100 Minuten später am Ziel - eine Woche Paris lag vor uns, bei strahlendem Wetter und wahrlich sommerlichen Temperaturen.
Unser Flugzeug landete auf dem Flughafen Orly, etwas außerhalb der Stadt. Er ist um einiges größer als Schönefeld und entsprechend schwierig gestaltete es sich, den richtigen Bus zu finden, der uns in die Stadt bringen sollte. Erschwerend kam hinzu, dass die Beschilderung für Uneingeweihte nahezu unlesbar ist. Glücklicherweise sprechen die meisten Pariser gutes Englisch und waren eine große Hilfe bei der Deutung.
Über einen Zwischenstopp mitten in der City, nahe den Katakomben, ging es dann schließlich zum Place de Clichy, wo wir für die kommende Woche unser Lager aufschlagen wollten. Bevor wir dies allerdings tun konnten, mussten wir zunächst einmal das Hotel finden.
Die Bilder aus dem Internet kannten wir ja, also sollte das nicht weiter schwierig werden - dachten wir uns. Dennoch liefen wir erst einige Male daran vorbei. Beim zweiten Anlauf, die Straße noch einmal zurück, fanden wir es dann: Hotel Place de Clichy. Das Haus erwies sich als bedeutend kleiner als wir ursprünglich angenommen hatten und stand anschaulich Beweis dafür, wie irreführend Bilder im Internet sein können. Das Hotel war so winzig, dass sich der einzige Platz, an dem man die Rezeption hatte unterbringen können, direkt unter der Treppe befand. Auch sonst zeigte sich das ganze Haus als sehr... kompakt. Zwei Sterne. Im Fahrstuhl ging es hinauf zu den Zimmern. „The elevator is very small,“ warnte uns der Portier, doch was genau er damit meinte, sahen wir erst, als sich die Türen des Lifts langsam öffneten.
Ich hatte noch nie zuvor einen dreieckigen Fahrstuhl gesehen - dieser hier musste speziell an die Form des Hotels angepasst worden sein und hatte etwa die Größe einer Duschkabine. Zwei Mann fanden darin Platz, wenn sie nicht all zu korpulent waren, und ein Koffer - gerade so. Zumindest, so dachten wir uns, stünde bei diesem Fahrstuhl fest, auf welche Art und Weise uns das Ende ereilen würde, falls wir im Schacht stecken bleiben sollten: Die Luft in der Kabine würde sicher gerade für den Weg nach oben reichen - den Rückweg jedoch ohne erneutes „Nachtanken“ anzutreten, hieße, dem Tode kaltschnäuzig ins Gesicht zu lachen.
Unser Zimmer in der fünften Etage war klein und freundlich. Große Fenster führten direkt zur Hauptstraße hinaus, was uns für die folgenden Tagen einer recht konstanten Geräuschkulisse versichern sollte. Da wir das oberste Geschoss bewohnten, konnten wir nicht nur den Luxus eines echten Balkons genießen, sondern auch einen herrlichen Ausblick die gesamte Straße entlang - damit konnte man leben.
Gepflegt war das Hotel gerade nicht, aber dafür hatten wir auch nur knapp 40 Euro pro Nacht und Nase bezahlt und wohnten direkt im quirligen Szene-Viertel der Stadt. Für Pariser Verhältnisse geradezu ein Wunder - immerhin zählen die Hotels hier zu den teuersten der Welt. Wer hier eine günstige Unterkunft sucht, dem sei das Internet empfohlen - und die Buchung einige Monate im Voraus.
An dieser Stelle muss ein Vorurteil den Parisern gegenüber widerlegt werden - ihre sprichwörtliche Unfreundlichkeit Deutschen gegenüber. Offensichtlich hat man uns die kurzzeitige Belagerung der Stadt mittlerweile verziehen: Sowohl das Hotelpersonal als auch alle anderen Franzosen, denen wir begegneten, waren überaus freundlich und hilfsbereit. Ein Kellner machte sich gar die Mühe, unter eifrigem Lächeln seine spärlichen Deutschkenntnisse an den Mann zu bringen. Ansonsten kommt man mit Englisch sehr gut zurecht. Inwiefern sich diese Freundlichkeit lediglich auf die touristisch erschlossene Hauptstadt beschränkt, konnten wir nicht beurteilen.
Den ersten Tag in Paris widmeten wir der Erkundung der näheren Umgebung. Dabei entdeckten wir zu unserer großen Freude, dass der Friedhof Cimetiere Montmartre, auf dem Größen wie Heinrich Heine, Jacques Offenbach, Francois Truffaut, Emile Zola und Stendhal ihre letzte Ruhe gefunden haben, direkt in Fußentfernung vom Hotel gelegen war - Grund genug, ihm einen ersten Besuch abzustatten.
Der Cimitere Montmartre zeichnet sich durch eine recht ungewöhnliche Eigenschaft aus: Im Jahr 1888 wurde er nämlich mit einer breiten, eisernen Brücke überbaut, die ein gutes Stück des Friedhofsgeländes überspannt. Direkt darunter befinden sich die Grabkapellen - eine wirklich ungewöhnliche Kombination, die eine ganz eigene Atmosphäre ausstrahlt.
Der Friedhof selbst wurde 1798 eröffnet und zählt zu den schönsten in Paris. Viele der Grabanlagen sind alten römischen Tempeln nachempfunden. Auch Viktor Brauner und der Maler Jean Baptiste Greuze liegen hier - letzterer bekannt vor allem durch „das Mädchen mit dem zerbrochenen Krug“.
Nur wenige Straßen entfernt wird das Gelände hügeliger, es geht spürbar bergauf - untrügliches Zeichen dafür, dass wir uns langsam aber sicher dem Montmartre näherten, dessen Spitze von der Basilique Sacre Coeur gekrönt wird.
Die Basilika wurde, wie fast alle katholischen Sakralbauten, auf einem alten heidnischen Heiligtum errichtet, das unter der späteren römischen Besatzung „Mont Martyr“ hieß - später wurde dieser Name zum heutigen Mont Martre. Die Basilika ist fast den ganzen Tag hindurch gut besucht, die Wiesen davor - trotz Verbotes - von erschöpften Touristen bevölkert. Hier tummelt sich ein buntes Gewirr von Nationalitäten, um den schönen, unglaublich weiten Ausblick über die Stadt zu genießen und sich von den Schaustellern unterhalten zu lassen.
Etwas weiter hinter der Basilika und noch etwas den Hügel hinauf liegt das kleine, unbedingt sehenswerte Künstlerdorf Montmartre, in dem schon Picasso, Auguste Renoir, Georges Braque, Maurice Utrillo und Juan Gris gewohnt und gearbeitet haben. Warum sie das taten, kann man noch heute gut nachvollziehen. Die Gegend hat ein ganz eigenes, malerisches Flair - kein Wunder, dass es so viele Künstler inspiriert zu haben scheint. Kleine, gemütliche Plätze und Parks laden zum Sitzen ein - und zum Beobachten des vorbeiziehenden Volkes. Die Stimmung ist sehr relaxed. Zwar geht ein jeder seinen Geschäften nach, das Ganze aber ohne Eile und ohne eine Spur von Hektik.
Viele kleine Cafés und Restaurants entlang der Straße bieten Stärkung für den müden Wanderer - und das zu erstaunlich günstigen Preisen, wenn man bedenkt, dass es sich hier um einen der Pariser Touristenmagneten handelt. Vorsehen sollte man sich lediglich vor den vielen Möchtegern-Künstler, die dem ahnungslosen Touristen mehr oder weniger erfolgreich das Geld aus der Tasche zu leiern versuchen.
Nachdem wir Montmartre hinreichend erkundet hatten, machten wir uns wieder auf den Weg und kamen am bekannten Billigkaufhaus „TATI“ vorbei. Der Besuch lohnt sich allerdings nur, wenn man wirklich alltagstaugliche Bekleidung zu günstigen Preisen sucht. Sehr viel mehr gibt es eigentlich nicht zu erstehen. Wer es hingegen exotisch mag und der afrikanischen Kultur zugeneigt ist, kommt gleich hinter dem TATI voll auf seine Kosten. Hier wird das Straßenbild auffallend ärmlicher, ohne dabei im geringsten schmuddelig oder unangenehm zu wirken. Die meisten Straßen sind jetzt gesäumt von Handy-Shops, Internet-Cafes und Barbieren in ihren kleinen Läden - dicht an dicht nebeneinander. In der Mischung ergibt das Ganze eine sehr schöne, aufregend lebendige Atmosphäre, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Man fühlt sich fast etwas an Queens in New York erinnert.
Mitten drin im Getümmel gibt es auch einen kleinen Markt, auf dem man hauptsächlich Meeresfrüchte, Fisch, Obst und Gemüse bekommt. Neben Uhren, verschiedenen Textilien, Stoffen, Lederwaren und allem möglichen Krempel, versteht sich, der direkt aus der Plastiktüte heraus verkauft wird. Die Bevölkerung hier ist fast zu einhundert Prozent farbig - ein Umstand, der den exotischen Anhauch dieses Bezirkes noch erhöht. Nicht selten sieht man den einen oder anderen in traditionell afrikanischer Gewandung umherspazieren und nicht wenige der Frauen tragen eine der traditionellen Kopfbedeckungen, die so aussehen, als hätten sie sich eine dicke Rolle bunten Stoffes vorn auf die Stirn geschnallt. Hier ist Frankreichs koloniale Vergangenheit noch so frisch und lebendig als wäre sie noch immer Realität.
Gleich nach dem Frühstück, das hier üblicherweise aus einem Kaffee, einem Croissant und, wenn man Glück hat, einem Brötchen besteht, machten wir uns auf zum Flohmarkt "Marche da la Porte de Saint Ouen", einem der größten Flohmärkte der Welt. Hier finden sich vor allem fliegende Händler afrikanischer Abstammung, die Lederwaren, Kunsthandwerk, aber auch Bekleidung und allen möglichen Schnickschnack feilbieten. Daneben gibt es aber auch eine ganze Reihe von Antiquitätenhändlern, die ein nicht unbeachtliches Sortiment an restaurierten Möbeln, Statuen, Einrichtungsgegenständen, Büchern, Zeitschriften, antiquarischer Technik und vielem mehr im Sortiment führen - das meiste recht exklusiv und damit entsprechend kostspielig, wie wir erfahren mussten.
Dennoch kann man auf dem Flohmarkt eine geraume Zeit verbringen und wird immer wieder etwas Neues, Überraschendes entdecken. Uns trieben schließlich die Hitze und der Hunger in schattigere Gefilde - außerdem hatten wir uns vorgenommen, den Pariser Katakomben einen Besuch abzustatten.
Auf dem Weg zu den Katakomben kamen wir am berühmten Friedhof Montparnasse vorbei. Hier befinden sich die Grabstätten von Man Ray und seiner Frau, aber auch jene der Schauspielerin Simone de Beauvoir, von Sartre, Samuel Beckett, Charles Garnier, Guy de Montpassant und Serge Gainsbourg. Der Friedhof ist extrem weitläufig und dicht belegt. Bis ins 18. Jahrhundert wurden hier vor allem die Hingerichteten beigesetzt. Den gesamten Friedhof zu erkunden würde wahrscheinlich mehr als einen ganzen Tag in Anspruch nehmen, doch das wollten wir uns ersparen: schließlich hatten wir noch 1,7 Kilometer "unter Tage" vor uns.
Die Katakomben von Paris sollte man unbedingt besucht haben. Hier, tief unter den Straßen von Paris, befinden sich die Gebeine von mehr als 3 Millionen Verstorbenen, fein säuberlich nach Gliedmaßen sortiert. Sollte der Tag des jüngsten Gerichtes tatsächlich eintreten, werden es die hier Bestatteten sicher nur mit einiger Verspätung schaffen, denn in dem Getümmel das eigene Bein oder den eigenen Satz Oberarme wieder zu finden, dürfte sich als sehr zeitraubend erweisen.
Die Pariser Katakomben erstrecken sich, wie bereits erwähnt, über 1,7 Kilometer, sind teilweise sehr rauh in den Untergrund geschlagen und sparsam beleuchtet. Eine schmale Wendeltreppe führt hinab in die Unterwelt und kühle, feuchte Luft schlägt dem Besucher entgegen. Im heißen Pariser Sommer nicht unbedingt unwillkommen. Im weiteren Verlauf folgten wir einfach dem vorgegebenen Weg - eine Führung gab es nicht. Das ist aber auch nicht unbedingt notwendig, denn anders als in Rom kann man sich in den Pariser Katakomben nur schwerlich verirren, zumal sie vergleichsweise gut ausgeleuchtet sind. Es gibt weit weniger Abzweigungen als im Pendant der italienischen Hauptstadt.
Wer die Katakomben zum ersten Mal besucht, wird sich eines seltsamen Gefühls nicht erwehren können - zu morbide erscheint der Anblick tausender Schädel, die einen entlang der Strecke anstarren (oder das zumindest täten, wenn sie noch Augen hätten). Seltsamerweise sieht man entlang der Strecke auch hauptsächlich Schädel und Oberschenkelknochen. Wohin die ganzen Unterschenkel, Rippen und alle anderen Gebeine verschwunden sind, konnten wir nicht ausmachen.
Die Tunnel und Schächte der Pariser Katakomben mussten während ihres Bestehens mehrfach ausgebaut und stabilisiert werden, denn der Untergrund von Paris ist recht weich. So kam es früher des Öfteren vor, dass Teile der Tunnel einstürzten und sich das Erdgeschoss so manchen Wohnhauses plötzlich in einem recht gruseligen Keller wiederfand. Auch heute noch tropft es beständig von der niedrigen, sandigen Decke auf die stummen Bewohner herab.
Zum Ende der Tour durch die Katakomben erwartet den Besucher eine penible Taschenkontrolle. Der gesunde Menschenverstand ließ einen angesichts solchen Misstrauens den Kopf schütteln - allerdings nur kurz: Ein Schädel und mehrere Gebeine, die auf dem Tisch des Angestellten lagen, kündeten von der Notwendigkeit solcher Maßnahmen und der Lust mancher Besucher an skurrilen Mitbringseln.
Für den zweiten Tag waren wir jetzt genug herumgewandert, beschlossen wir und zogen uns zu einem Nickerchen ins Hotel zurück. Erst nach dem Abendessen machten wir uns wieder auf den Weg - zum Eiffelturm und zu einer Lichterfahrt auf der Seine, die einem einen schönen Einblick in die Geschichte der Stadt vermittelt. Besucher, die sich für eine solche Tour entscheiden, sollten sich vorher die Boote der Anbieter genau ansehen. Nicht alle von ihnen verfügen über eine Lichtleistung, die die nächtliche Fahrt auch zum Vergnügen macht.
Die wohl typischste Prachtstraße von Paris ist die Champs Eliseé, die man vom Parkeingang des Louvre in ihrer ganzen Länge überblicken kann. Die großen Geschäfte, die sich hier Ehrfurcht gebietend aneinander reihen, laden allerdings nur jene Glücklichen zum Betreten ein, die sich jüngst einer Erbschaft oder eines höheren Lottogewinnes erfreuen konnten - die Preise sind definitiv nichts für den Pauschaltouristen. Das Ende der Champs Elisee krönt der Arc de Triomphe, der an die stolze kriegerische Größe Frankreichs erinnert. Für ebenso stolze 8 Euro kommt man in den zweifelhaften Genuss, die über 500 Stufen zur Aussichtsplattform erklimmen zu dürfen. Als Lohn für diese Mühe - und den „kleinen“ Obulus - winkt ein einzigartiger Blick auf die Champs Elisee und den Louvre. Den sollte man sich aber auf jeden Fall auch aus der Nähe ansehen.
Der Louvre, einstmals Sitz des französischen Königs, ehe er sich nach Versailles zurückzog, ist eines der größten Museen der Welt. Nicht ohne Stolz wird jeder Touristenführer darauf hinweisen, dass der Besuch aller Kunstwerke, selbst wenn man jedem von ihnen nur eine Minute widmet, über 4 Monate dauern würde. Das ist schon beeindruckend!
Architektonisch weitaus interessanter erscheint jedoch die Pyramide, die sich im Innenhof des Louvre erhebt. Sie wurde, unterstützt vom ehemaligen französischen Staatspräsidenten Mitterand, vom Star-Architekten I. M. Pei gebaut, der auch für die Erweiterung des Deutschen Historischen Museums in Berlin verantwortlich zeichnet. Was viele Paris-Besucher nicht wissen: es gibt noch eine zweite Pyramide - "La Pyramide Inversee", die invertierte Pyramide. Sie ist nicht auf den ersten Blick sichtbar und das hat einen einfachen Grund: Statt majestätisch in die Höhe zu schießen, wurde sie ins Erdreich hinein gebaut - und gleicht somit eher einem gläsernen Loch im Boden. Die invertierte Pyramide befindet sich außerhalb des Innenhofes des Louvre auf einer großen Rasenfläche. Dan Brown hat das Bauwerk in seinem Buch „The Da Vinci Code“ (das Sakrileg) eingehend beschrieben.
Einen Besuch des Louvre-Museums haben wir uns erspart. Zum einen hatten wir das Museum bei einem früheren Paris-Aufenthalt bereits bestaunt, zum anderen herrscht oft ein ziemlicher Andrang, der einiges Anstehen in der Schlange erforderlich macht, bevor man Einlass findet in Frankreichs größte Kunstsammlung.
Stattdessen setzten wir uns noch einmal in die Metro und machten uns auf den Weg zur Notre Dame. U-Bahn-Fahrten in Paris sind vergleichsweise günstig. Für eine Strecke bezahlt man einen Euro. Zwar wäre es für einen Paris-Urlaub günstiger, eine Wochenkarte zu nutzen, doch diese sind nur von Montag bis Sonntag gültig. Kommt man etwa an einem Mittwoch an, so verschenkt man automatisch zwei Tage - ein System, das nicht unbedingt Sinn macht. Zumindest nicht für den Besucher. Wer einen längerfristigen Aufenthalt in Paris plant, kann jedoch auch das intelligente Smartcard-System nutzen. Dabei erhält man, gegen Vorlage eines Passbildes, eine kleine Plastikkarte, die man nur an entsprechenden Lesegeräten vorbeiführen muss. So erspart man sich den ständigen Nachkauf weiterer Fahrausweise. Lesegräte für diese Smartcards sind sowohl auf den U-Bahn-Stationen als auch in den meisten Bussen installiert.
Notre Dame ist die älteste katholische Kirche in Paris. Sie wurde bereits kurz nach der Christianisierung Frankreichs unter dem damaligen Bischof Maurice de Sully erbaut. Trotz ihrer recht kompakten Gestalt ist sie doch sehr filigran und im Inneren sehr üppig ausdekoriert. Fresken an den Außenwänden und in den Torbögen erzählen dem Besucher die Bibelgeschichte. Zur Zeit der Erbauung der Notre Dame war dies sie einzige Möglichkeit, dem Volk die Geschichte Jesu nahe zu bringen - denn mit Ausnahme des Klerus konnte / sollte so gut wie niemand lesen.
Mit dem Besuch der Notre Dame und einem anschließenden Abendessen beendeten wir den dritten Tag in Paris.
Unseren vierten Tag in Frankreichs Metropole wollten wir ganz den großen Köpfen des 18. und 19. Jahrhunderts widmen. Diese sind, nebst ihrer restlichen Gebeine, auf dem größten Friedhof von Paris, dem Cimetiere du Pere-Lachaise, zu finden.
Der Pere-Lachaise, der offiziell eigentlich Cimetiere de l’Est heißt, ist eine wahre Wallfahrtsstätte für politisch und kulturell interessierte Besucher. Seinen inoffiziellen Namen verdankt er dem Beichtvater Ludwigs XIV, Pere de La Chaize. Er wohnte in einem Schlösschen, das sich im 17. Jahrhundert auf dem Terrain des heutigen Friedhofes befand.
Die Totenstätte ist mit 44 Hektar sehr groß und extrem weitläufig. Aufgrund der Tatsache, dass die einzelnen Gräber sehr dicht und sehr verwinkelt beieinander stehen, kann der Besucher gut und gerne einen ganzen Tag mit der Suche nach einem bestimmten Grab verbringen - und nicht selten wird er auf einer der Treppen einen müden Wanderer sitzen sehen, der den Eindruck macht, er habe nichts mehr gegen eine permanente Ruhestatt einzuwenden. Glücklicherweise gibt es für alle Friedhöfe von Paris praktische Lagepläne und Karten. Ohne sie wäre die Suche nach einer bestimmten Ruhestätte ein sinnloses Unterfangen.
Eine Vielzahl von Grabkapellen, Mausoleen, Obelisken und in Stein verewigten Schönheiten machen dieses von dichtem Grün umwucherte Terrain zu einem Ort der Stille und des Gedenkens. Hier ruht neben Heloise und Abelard, dem berühmten Liebespaar aus dem Mittelalter, auch Oscar Wilde, dessen Grab von einer riesigen Sphinx bewacht wird und über über mit Küssen und Liebesbekundungen übersäht ist. Auch die berühmte Chansonette Edith Piaf, Honore de Balzac, der Dichter Guillaume Apollinaire und Georges Bizet, der die „Carmen“ geschrieben hat, liegen hier bestattet, ebenso wie der Schauspieler Pierre Brasseur, Jean-Fr. Champollion (der Archäologe, der den Stein von Rosetta gefunden und somit die ägyptische Hieroglyphenschrift entschlüsselt hat), Frederic Chopin, Vivant Denon, der Chirurg Guillaume Dupuytren und der Maler Dominique Ingres. Auch Moliere, Yves Montand, Gioacchino Rossini (der Barbier von Sevilla), die begnadete und in Frankreich hoch verehrte Schauspielerin Simone Signoret und Hahnemann, der Erfinder der modernen Homöopathie, haben hier ihre letzte Ruhe gefunden. Die wohl am häufigsten besuchte Grabstätte ist zugleich auch eine der bescheidensten - sie gehört Jim Morrison, dem legendären Sänger der Doors, der 1971 hier beigesetzt wurde. Auch der Schriftsteller Max Ernst lag auf dem Pere-Lachaise, wurde jedoch an eine andere Ruhestätte umgebettet.
Auch am fünften Tag schafften wir es nicht, noch rechtzeitig zum Frühstück aufzustehen - Hotels sollten statt dessen wirklich ein Brunch anbieten. Nachtschwärmern und Langschläfern würden sie damit einen großen Dienst erweisen. Nach einem schnellen Happen in einem Restaurant um die Ecke brachen wir auf, um das Künstlerviertel rund um Montmartre zu erkunden und uns mit den obligatorischen Souvenirs einzudecken. Die Hitze machte dies allerdings nicht gerade zu einem Vergnügen - mehr als 30 Grad zeigte das Thermometer.
Das ehemalige Künstlerviertel diente als Kulisse für den Film Amelie und ist wirklich malerisch. Kleine verwinkelte Straßen führen hinauf zum Gipfel des Berges, gesäumt von einer Vielzahl kleiner Geschäfte. Hier statteten wir auch der Post einen Besuch ab, um unsere Karten abzuschicken, wobei uns zum wiederholten Male auffiel, dass offenbar nicht nur die Deutschen Gefallen daran finden, in einer Schlange zu stehen. In Paris hat man diese Freizeitbeschäftigung zu einer wahren Tugend kultiviert: Warten kann man hier aus einer Vielzahl von Anlässen und oft, so hatten wir den Eindruck, bis zum Sankt Nimmerleinstag. Weder die Kunden noch die freundlichen Menschen hinter dem Tresen haben es besonders eilig, ihr jeweiliges Geschäft zu einem schnellen Ende zu bringen, ganz egal, ob dieses auf der Post, in einem Geschäft oder einem Cafe von statten geht. Trotz der Hektik, die die Stadt ausatmet, nehmen die Pariser alles sehr gelassen - ein Charakterzug, den man geographisch eher weiter südlich vermuten würde.
Wegen der großen Hitze hielt es uns nicht lange auf der Straße. Schon bald strichen wir die Flagge und traten den Rückzug ins Hotel an, wobei wir auf dem Heimweg nicht vergaßen, Dumas, Emile Zola, Heinrich Heine und Jacques Offenbach einen Besuch abzustatten.
Am Abend wollten wir uns noch einmal Notre Dame und die Ufer der Seine ansehen. Gleich bei Einsetzen der Dämmerung wird beides, von vielen Scheinwerfern angestrahlt, in ein wunderschönes, fast irreales Licht getaucht, das man sich unbedingt ansehen sollte. Notre Dame wirkt nachts noch einmal doppelt so schön wie bei Tage! Als wir an der Kathedrale eintrafen, begann dort gerade ein Vortrag, der, so die Ankündigung, von der Geschichte und der Entstehung des Bauwerkes erzählen sollte. Doch schon innerhalb der ersten Minuten entpuppte er als plumper Werbefilm für die Sache der katholischen Kirche. So verheimlichte der Vortrag nicht, dass das beeindruckende Bauwerk benutzt werden sollte, um ein paar weitere ahnungslose Schäfchen in die katholische Herde zu locken. Statt um die Entstehung von Notre Dame ging es denn auch im Wesentlichen um die verschiedenen Heiligen, Päpste und Jünger, die in selbstloser Aufopferung zum Bau von Notre Dame beigetragen hatten - die vielen tausend Hände, die den Bau tatsächlich bewerkstelligten und die abermals Tausenden von Franzosen, die sicher eine bessere Verwendung für den ihnen abgepressten Kirchenzehnt gefunden hätten, vergaß man unterdessen zu erwähnen.
Glücklicherweise reicht es heute nicht mehr aus, einen Kollossalbau aus der Erde zu stampfen, allein zu dem Zweck, das unwissende Volk zu beeindrucken - und so waren wir nicht die einzigen, die den scheinheiligen Geschichtsvortrag lange vor dessen Ende wieder verließen.
Bei Nacht an den Ufern der Seine entlang zu wandern, ist ein einmaliges Erlebnis. Man fühlt sich wie in eine andere Zeit versetzt und die verschiedensten Bilder beginnen einem im Kopf herumzugeistern. Nahezu das gesamte Ufer wird von kleinen Menschengruppen bevölkert, die essen, singen oder einfach nur erzählen und den Abend genießen. Vom Ufer der Seine aus bietet sich dem Betrachter auch ein herrlicher Blick auf die wichtigsten Gebäude der Stadt, wie etwa das alte Krankenhaus, die Kunstgalerie im ehemaligen Bahnhof, den Eiffelturm und viele andere. Ein überaus stilvoller Ausklang für einen Besuch in Paris.
Unser letzter Tag in Paris. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen wir dem Ende unseres Paris-Urlaubs entgegen. Paris ist keine Stadt, die man völlig ohne Wehmut wieder verläßt. Zu sehr zieht ihr Charme und ihr sprudelndes Leben den Besucher in ihren Bann. Ebenso wie Rom gehört Paris mit Sicherheit zu den Städten, die man mehrmals besuchen wird, wenn man erst einmal dagewesen ist.
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